Du hast bestens formulierte Texte und willst, dass sie gelesen und angenommen werden? Du bemerkst, dass irgendwas mit deinen Texten nicht stimmt und weißt nicht genau was? Dann schaue dir auch die Schriftart an, denn nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art und Weise wie der Text gesetzt ist, beeinflusst unsere Empfindungen.

Wir Menschen lesen Emotionen nämlich sogar in leblosen Formen:

Bei einem hässlich geschriebenen Informationstext, auch wenn er noch so wichtig ist, wirst du dich regelrecht zwingen müssen ihn zu lesen, während dich eine gut lesbare Speisekarte zum Essen und Verweilen einlädt. Vergleiche mal Romane mit Zeitungen, Werbeprospekte mit Einladungen. Decke die Bilder zu und lasse die Schriftarten auf dich wirken. Welche Besonderheiten fallen dir auf?

Um diese unterschiedlichen Wirkungen ein wenig verständlicher zu machen, möchte ich dir in den nächsten Absätzen zeigen, was Schrift überhaupt ist. Und im nächsten Beitrag werde ich dir zeigen, wie du loslegen kannst, wenn du selbst auf der Suche nach einer Schriftart bist.

Schrift, Buchdruck und Internet

Warum wir heutzutage so viele verschiedene Wirkungen erzielen können, zeigt ein kurzer Blick in die Geschichte: Die Erfindung der Schrift hat uns alle zu dem gemacht, wer wir sind. Mit Hilfe von Schrift können wir sowohl Informationen speichern als auch Informationen weitergeben, ohne dass man direkt mit jemand anderem sprechen braucht. Zuvor musste man sich alles merken und das, was man wusste, konnte man nur mündlich an andere weitergeben.

Dank der Schrift wurde es möglich, bereits vorhandenes Wissen für längere Zeit zu speichern. Es entwickelten sich verschiedene Fertigkeiten und Techniken, die zunächst bestimmten Bevölkerungsschichten vorbehalten waren. Erst durch den Buchdruck konnte Wissen schneller vervielfältigt und weiter in die Welt hinausgetragen werden.

Durch das Internet erfolgte der nächste und bisher letzte Schritt, Informationen für alle zugänglich zu machen. Und auch wenn wir immer mehr über Bilder und Videos kommunizieren, wird die Schrift auf absehbare Zeit ein wichtiger Teil in unserer Kommunikation bleiben.

Jedes Zeitalter und jede geographische Region hatten ihr eigenes Bild von der Welt. Was früher modern war, ist heute bestenfalls Vintage oder wird als handwerkliche Fertigkeit geschätzt. Das gleiche gilt auch für Schriftarten.

Die zahlreichen Techniken und Verbreitungsarten von Sprache und Schrift aus tausenden von Jahren haben uns eine Menge an Schriftarten und Methoden des Schreibens hinterlassen.

Und auch wenn in Stein gehauene Zeichen aus römischen, griechischen oder ägyptischen Epochen oder jahrhundertealte handschriftlich verfasste Bücher in unserem Alltag nur wenig Bedeutung haben, so lösen sie doch andere Emotionen aus als unsere heutigen Computerausdrucke oder Webseiten.

Und mit allen diesen verschiedenen Wirkungen können wir heute arbeiten.

Die Kraft der Schriftart

Wir verbinden Schrift unbewusst auch mit unseren eigenen Erinnerungen und Erfahrungen, noch bevor wir überhaupt ein Wort gelesen haben. Der erste Eindruck zählt und es ist dabei egal, ob die Schriftart selbst besonders gut lesbar oder ob der Inhalt interessant ist.

Auch wenn wir die Schriftart gar nicht kennen oder die Sprache nicht verstehen, löst allein das Anschauen des Textes sofort irgendetwas in uns aus.

Dieser Eindruck wird unter anderem durch erlernte Verknüpfungen aus unserer Geschichte und Kultur beeinflusst. Sie sorgen dafür, dass wir einen wissenschaftlichen Text zur Gentechnik in Schreibmaschinenschrift genauso wenig ernst nehmen werden wie eine Wirtschaftszeitung, die in Schönschreibschrift gesetzt wird.

Wir verbinden die Schreibmaschine mit Wissenschaft aus dem vorigen Jahrhundert, und bei der Schönschreibschrift kommen ehestens ablehnende oder vielleicht ein paar nostalgische Gefühle an die eigene Kindheit auf, doch mit dem Inhalt selbst werden wir uns kaum auseinandersetzen wollen.

Zusätzlich zu diesen erlernten Verknüpfungen gibt es noch eine Menge an biologischen Verknüpfungen. Eine fette Schrift wirkt eher kräftig, bestimmt, dominant, eine feine, dünne Schrift möglicherweise zerbrechlich, filigran, luxuriös, unsicher. Weiche Übergänge innerhalb der Buchstaben wirken sanft, rechte Winkel dagegen hart. Wir werden daher einen Gesetzestext in dünnen, schmalen, rundlichen Buchstaben anders aufnehmen als in kräftigen, eckigen.

Was das für dich heißt

Eine Textschrift macht also viel vom dem aus, was du mitteilen willst. Egal ob es sich um dein schriftliches Angebot, deine Zeitschrift oder deine Webseite handelt, der Charakter der Schrift hat einen großen Einfluss darauf,

  • ob,
  • wie gerne und
  • mit welcher Erwartung

dein Text gelesen wird.

Die gut gewählte Schriftart kann das, was du mit dem Text erreichen willst, unterstützen oder eine bestimmte Facette des Textes betonen. Du kannst aber auch bewusst mit diesen Konventionen brechen und genau das Gegenteil erwirken.

Es ist viel Wissen und Erfahrung notwendig, um die Wirkung von Schriften richtig bewerten zu können, daher findest du hier auch keine detaillierte Aufstellung, was wie genau wirkt. Doch auch das gesamte Wissen kann nur eine bestmögliche Abschätzung sein, denn die erlernten, kulturellen Konventionen können wir kaum festmachen, da sie viel zu umfangreich und sehr unterschiedlich sind.

Persönliche Erfahrungen mit Schrift können wir sowieso nur schwer vergleichen, da jeder andere Erfahrungen macht und sich ohnehin alles dauernd verändert.

Meine persönlichen Erkenntnisse über Stenografie waren ursprünglich keine guten, doch mit der Zeit liebte ich es, blitzschnell schreiben zu können. Die Word-Art Effekte fand ich anfangs ziemlich toll, doch nur kurze Zeit später konnte ich sie nicht mehr sehen. Und obwohl ich mit dem Schönschreiben gar nicht zu recht komme, probiere ich es immer und immer wieder, da ich es so wunderschön und entspannend finde.

Im nächsten Beitrag werde ich dir zeigen, wie du es angehen kannst, wenn du selbst auf der Suche nach einer Schriftart bist. Wenn du in der Zwischenzeit Fragen dazu hast, melde dich gerne bei mir. Marion