Ist dir vielleicht aufgefallen, dass sich die Webseiten stark ähneln? Minimalismus, starke Typografie, wenige Buttons, einfache Icons und perfekte Bilder prägen das Bild vieler Webseiten. Dieser Stil ist nicht mehr nur auf Webseiten beschränkt, sondern wurde auch auf Apps, Visitenkarten, Bücher usw. übertragen.

Im Produktdesign bzw. in der Architektur kennen wir dieses Phänomen schon länger. Der Unternehmer oder Produzent zeigt dem Nutzer bzw. Konsument damit, dass er alles im Griff hat und auf den Punkt bringen kann. Doch leider kommt damit auch ein gewisser Einheitsbrei daher, und vor allem viel emotionale Kälte.

„Form follows function“ und darüber hinaus

Viele Jahre haben wir in der Gestaltung den Nutzen in den Vordergrund gestellt: „Form follows function“. Das heißt, die Gestaltung von Produkten, Gebäuden, Büchern usw. soll sich in erster Linie von ihrer Funktion oder ihrem Zweck ableiten. Das ist grundsätzlich auch wichtig, denn ein Sessel, auf dem man nicht gut sitzen kann, hilft wenig.

Als das Internet in die Gänge gekommen ist, waren die Webseiten äußerst bunt und vielfältig. Man hat mit der damaligen Technik experimentiert und geschaut, was alles möglich ist, auch wenn bei weitem nicht alles schön anzusehen war.

Seitdem es Smartphones gibt, wurden die Webseiten einander immer ähnlicher. Auf dem kleinen Bildschirm ist man halt eingeschränkt mit der Gestaltung – gut lesbare Schriften, einfache Navigation und klare Bilder sind ein Muss. Diese Art der Gestaltung findet man daher auch bei Webseiten für große Bildschirme, aber sie prägt mittlerweile auch die Gestaltung von Flyern, Messeständen usw.

Allerdings birgt dieser Ansatz die Gefahr, dass die Bedeutung von verschiedenen Emotionen außer Acht gelassen wird. Denn gutes Design fördert Wohlbefinden. Vor allem aus dem Produktdesign aber auch aus der Architektur oder noch viel mehr aus der Natur wissen wir, dass eine Umgebung immer irgendetwas mit uns macht.

Eine dunkle Höhle im Berg kann Angst, ein behagliches Feuer in dieser Höhle dagegen Wohlbefinden oder sogar Glück erzeugen. Und dort wo wir uns wohlfühlen und dort wo wir Glück erleben, wollen wir immer wieder hin.

Daher plädiere ich persönlich dafür, die Gestaltung wieder emotionaler zu machen. Damit meine ich nicht, dass alles bunt, wild und durcheinander gewürfelt werden soll. Sondern es genügen bereits ein paar bewusst eingesetzte Kleinigkeiten, um mehr Lebendigkeit zu erzeugen. Deine Kunden und Mitarbeiter werden sich in einer herzlicheren Atmosphäre wohler fühlen.

Hier sind ein paar Anregungen, wie du deine Visuals mit mehr Leben füllen kannst:

  • Verwende Fotos, die aus dem echten Leben sind. Zeige dich in deiner gewohnten Umgebung bzw. so wie du normalerweise gegenüber deinen Kunden auftrittst.
  • Nutze wieder mehr Farbigkeit. Falls es stilistisch nicht hineinpasst, kannst du auch ausprobieren, wie ein paar einzelne Farbkleckse oder deine Hauptfarbe in verschiedenen Schattierungen wirken.
  • Experimentiere mit Typografie. Es gibt viele moderne, hochwertige Schriften, die klar lesbar sind und dennoch einen interessanten Eindruck hinterlassen.
  • Wenn du klare, einfache Illustrationen von Menschen verwendest, versuche ihnen über Mimik, Körperhaltung, Umgebung oder Gegenstände mehr Lebendigkeit zu verleihen. Für weitere Anregungen wirf vielleicht einmal einen Blick in einen Comic oder in eine Graphic Novel.
  • Achte darauf, was sonstige Designelemente darstellen und ob sie das aussagen, was du willst. Wir Menschen erkennen Emotionen nämlich sogar in leblosen Formen!

Wenn du konkrete Anregungen für deine Ideen magst, melde dich gerne bei mir.
Deine Marion