Warum ein und dasselbe Grün (fast) überall anders aussieht – am Beispiel Papier.

Mai 13, 2020

Bemerkst du auch manchmal, dass Deine Farben unterschiedlich aussehen? Am Monitor, am Mobiltelefon, am Ausdruck von deinem Word-Dokument, auf deiner Visitenkarte, auf Give-Aways wie Tassen, und so weiter. Auch wenn du dieselbe Farbe verwendet hast, ist sie überall anders, manchmal ist der Unterschied größer, ein anderes Mal kleiner. Wenn du Grüntöne verwendest, wirst du dies öfters bemerken als bei Gelbtönen.

Ich werde immer wieder gefragt, wo die Unterschiede herkommen und wie man sie vermeiden kann. Ein Satz als Erklärung reicht nicht, denn das Thema Farbe ist unglaublich vielfältig, spannend und umfasst Bereiche wie Physik, Technik, Biologie und noch vieles mehr. Für den Einstieg beginne ich mit einem einfachen Thema: Warum gedruckte Farbe auf Papier so unterschiedlich wirkt.

Papierfarbe

Meistens ist Papier weiß. Doch es gibt viele verschiedene Weißtöne und jede Nuance verändert den Eindruck der Farbe, besonders bei hellen Farbtönen oder bei Grüntönen.

Für den Fotodruck ist ein hoher reiner Weißgrad besonders wichtig. Hauttöne leiden schnell unter einem falschen Farbton und ein Blaustich, Rotstich oder Gelbstich lässt das Gesicht unvorteilhaft aussehen. Auch bei Bildern, die viele Grüntöne enthalten, fällt ein Farbstich meistens schnell auf.

Doch farbige Nuancen sind nicht nur schlecht: Ein cremefarbenes Papier ist angenehmer für das Lesen von langen Texten und schont die Augen. Recyclingpapier ist meistens ein wenig Grau. Das ist für den Bürodrucker völlig in Ordnung und auch ein interessanter Grundton für Kunstdrucke. Manches Kopierpapier ist ein wenig blaustichig. Das ist für den Bürobedarf in der Regel ausreichend, für besondere Drucke würde ich aber zu einem anderen Papier greifen.

Vergleiche doch mal Lesebücher, die ausschließlich aus Text bestehen mit bebilderten Büchern. Du wirst allein an der Papierfarbe eine Menge Unterschiede wahrnehmen.

Papieroberfläche

Eine glatte Papieroberfläche lässt die Farben kräftiger wirken als eine raue. Noch kräftiger werden die Farben mit einer glänzenden Oberfläche. Vielleicht kennst du das aus dem Fotodruck, wo du meistens die Wahl zwischen mattem und glänzendem Fotopapier hast.

Druckereien bieten außerdem verschiedene Arten von Beschichtungen und Veredelungen an, um die Farben noch brillanter wirken zu lassen. Schau dir mal bewusst verschiedene Arten von Papieren an und du wirst sehen, dass der Farbeindruck überall ein wenig anders ist.

Farbwahrnehmung

Unsere Augen sind darauf ausgerichtet, dass wir bestimmte Farben gut sehen können. Besonders gut können wir verschiedene Grüntöne unterscheiden. Das ist der Grund, warum wir bei Grüntönen besonders sensibel reagieren und uns minimale Unterschiede schnell auffallen.

Doch was brauchen wir, um überhaupt etwas sehen zu können? Ganz einfach: Licht, Licht und nochmals Licht. Wenn es dunkel wird, sehen wir nicht nur weniger, es verschwinden auch die Farben.

Zusätzlich zur Lichtstärke beeinflusst die Lichtfarbe maßgeblich, wie wir Farben sehen. Morgenlicht, Mittagssonne, Abendrot, Herbststimmung usw. haben charakteristische Farbstimmungen. Sie sind uns nicht nur in Fleisch, Blut und Gemüt übergegangen, sondern unser Farbsehen passt sich auch darauf an.

Hier fällt uns daher oft gar nicht auf, dass eine Farbe in der Wintersonne anders aussieht als im Sommer. Diese Fähigkeit zur Anpassung ist auch der Grund, warum so manche Farbenblindheit sehr spät erkannt wird, denn sie fällt dem Betroffenen selbst gar nicht auf.

Diese verschiedenen Farbstimmungen werden übrigens gerne in Geschäften oder Lokalen mit künstlichem Licht nachgeahmt. Vielleicht beobachtest du beim nächsten Einkaufstrip, welcher Laden welches Licht verwendet und wie sich das auf die Farben und deine Stimmung auswirkt. Ich finde das unglaublich spannend. So spannend, dass ich jetzt sogar komplett vom Thema Papier abgewichen bin. Aber vielleicht verleitet es dich zum Nachzudenken, wie sich die künstlich erzeugte Stimmung auf deine Geldtasche auswirkt.

Druckvorgang

Jetzt wird es ein wenig technischer. Für den Druckvorgang an sich gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man Farbe aufbringen kann und jede davon ergibt dann andere Farben, Farbmischungen und Ergebnisse. Wenn du nicht täglich mit Druckmaschinen zu tun hast, wirst du dir möglicherweise nicht viel darunter vorstellen können. Vielleicht hilft dir ein Beispiel aus dem Alltag

Denke an bekannte Farben und vergleiche sie miteinander, wie zum Beispiel Buntstifte, Dispersionsfarbe oder Autolacke. Sie funktionieren alle unterschiedlich, obwohl sie nichts anderes machen als einer Oberfläche eine andere Farbe zu geben. Und so ungefähr funktioniert das auch mit verschiedenen Drucktechniken.

Damit der Drucker überhaupt die richtigen Ergebnisse liefern kann, muss er kalibriert werden. Das ist je nach Gerät unterschiedlich und oftmals nur mit speziellen Messgeräten möglich. Auch dazu ein Beispiel aus dem Alltag: Nimm Dir eine Küchen- oder Körperwaage zur Hand. Wenn sie vor dem eigentlichen Wiegevorgang etwas anderes als 0 g anzeigt, liefert sie falsche Ergebnisse. (Oder du musst schnell rechnen.) Bei fehlerhaft eingestellten Druckgeräten ist das nichts anderes, sie liefern dann einfach nicht die richtigen Farben.

Dann gibt es noch die Profilierung. Vereinfacht ausgedrückt wird hier festgelegt, nach welchen Kriterien die vorhandenen Farben untereinander gemischt werden, damit tatsächlich diejenigen Farben gedruckt werden, die gewünscht sind. Und auch hier ist das Mischen der Grüntöne wieder besonders heikel. Es gibt daher verschiedene Farbprofile für verschiedene Anwendungszwecke und Druckmaschinen.

Druckfarben

Je nach Druckverfahren werden verschiedene Farben verwendet, welche sich in ihrer Farbigkeit unterscheiden. Am besten sind uns die „normalen“ Druckfarben bekannt: Cyan, Magenta, Yellow und Black (CMYK). Aber auch hier erkennen wir Unterschiede! Farben aus einem herkömmlichen Laserdrucker sind meistens anders als aus einem Tintenstrahldrucker.

Das Farbspektrum, das aus den CMYK-Farben erstellt werden kann, ist groß, und doch können Farben wie zum Beispiel Neongrün, Gold und Silber damit nicht zufriedenstellend gedruckt werden. Dafür brauchen wir Sonderfarben wie Pantone oder HKS bzw. andere Druckverfahren, die diese Töne ermöglichen.

Wie Farbe im Dokument angegeben ist

Unter Druckvorgang hast du bereits das Wort Profilierung gelesen. Damit der Drucker überhaupt die richtigen Farben zusammenmischen kann, musst du im Dokument die Farben bereits entsprechend angeben. Es wird dir vielleicht schon aufgefallen sein, dass die Farben eines gedruckten Word-Dokuments oder eines PowerPoint Handouts anders aussehen als am Monitor. Programme wie Word und PowerPoint arbeiten in der Regel mit anderen Farbangaben als dein Drucker. Dabei ist nicht nur zu beachten, dass die Bildschirmfarben (RGB) in Druckfarben (CMYK) umgerechnet werden, sondern auch wie deine RGB-Werte in CMYK-Werte umgerechnet werden.

Je nachdem, wo und wie welche Farbe angegeben und umgewandelt wird, kommt sie dann vom Drucker auf dein Papier. Damit diese zusammenpassen, solltest du am Computer die Möglichkeit nutzen, den Monitor zu kalibrieren (erinnerst du dich noch an das Beispiel mit der Waage?) und mit Farbprofilen arbeiten. Im Idealfall verwendest du für zu druckende Dokumente dieselben Farbprofile wie dein Drucker.

Dafür zu sorgen, dass alles untereinander abgestimmt ist, heißt übrigens Farbmanagement.

Zusammenfassung

Das hättest du jetzt wahrscheinlich nicht gedacht, dass so vieles zusammenhängt, nur damit die Farbe am Papier korrekt dargestellt wird und für dich richtig aussieht, oder?

Hier ist daher nochmals eine kurze Übersicht, was du der Reihe nach beachten kannst:

  1. Schau dir das Papier an: Hat es einen Farbstich, wie ist die Oberfläche?
  2. Prüfe die Farben zu verschiedenen Tageszeiten und in verschiedenen Räumen.
  3. Verwende Farbmanagement (Word und PowerPoint können das leider nicht, daher arbeiten viele Grafiker mit den Adobe Programmen) sowie einen kalibrierten und profilierten Monitor.
  4. Wo druckst du? Wie ist das Druckverfahren? Welche Farben können zum Einsatz kommen? Welche Profile werden verwendet?
  5. Wenn du sicher gehen willst, setze Farbsysteme wie Pantone oder HKS-Farben ein.

Überlege Dir ganz am Anfang, wie wichtig dir exakte Farben sind. Punkt 1 und 2 sind leicht und schnell nachvollziehbar, oder? Für Punkt 3 und Punkt 4 brauchst du ein wenig Zeit, um dich mit dem Thema Drucken und Farbe näher zu beschäftigen. Hier steigst du schon in die Profi-Liga ein und kannst sehr, sehr gute Ergebnisse erzielen. Punkt 5 ist dann die Oberliga, wenn eine exakte Farbe unbedingt notwendig ist oder wenn das Druckverfahren solche Farben benötigt.

Meiner Erfahrung nach brauchst du den letzten Punkt im Alltag nur selten. Das kann interessant werden, wenn du zum Beispiel Give Aways wie Tassen bedrucken lassen willst. Du kannst diese speziellen Farben auch überall dort einsetzen, wo du nur ein oder zwei Farben brauchst, oder wenn du einen bestimmten Effekt erzielen willst. Zum Beispiel bei Visitenkarten, beim Briefpapier, beim Flyer, usw. Schau dir die Preise dazu genau an und prüfe, wie weit du hier gehen willst.

Bei einfachen Ausdrucken, mit denen du niemanden vom Hocker reißen willst, kannst du (vorerst) auch einfach auf das Farbmanagement verzichten. Natürlich ist es immer attraktiv, wenn die Farben überall wunderschön sind, doch achte darauf, dass du dich nicht verzettelst.

Konzentriere dich vielleicht zunächst darauf, dass jene Drucke, die einen speziellen Eindruck hinterlassen sollen, dies auch wirklich tun. Und wenn dann Zeit und Ressourcen übrig sind, nimm dir die nächsten Dokumente vor.

Ich bin für dich da

Das war es mal fürs Erste zum Thema Farben. Wie du siehst, kommt dabei einiges zusammen, und du könntest dich damit ein Leben lang beschäftigen. Doch das muss nicht sein. In vielen Fällen genügt es einfach zu wissen, warum die Farben unterschiedlich sind und das zu akzeptieren. In anderen Fällen lohnt es sich, tiefer in die Materie einzusteigen. Falls du Hilfe brauchst, sind Grafikprofis wie ich es bin, gerne für dich da: Um mit dir zu besprechen, was Sinn macht und was du bleiben lassen kannst. Um dir zu zeigen, wie du selbst vorgehen kannst oder um dir diese Arbeit ganz abzunehmen!

Melde dich einfach, wenn ich etwas für dich tun kann.