Vom wartungsintensiven WordPress zur charmanten Minimal-Seite

//

Marion Lindert

Im April habe ich von einer Kundin einen Anruf mit der Bitte um Hilfe erhalten. Sie hat ihre alte WordPress-Seite noch immer am Laufen, doch ist diese mittlerweile so veraltet, dass der Provider nun die Gebühren für den Support massiv erhöhen will. Ob ich denn eine Idee hätte, wie sie vorgehen soll.

Die Website ist vor 15 Jahren entstanden und war eine meiner ersten WordPress-Websites überhaupt. Später wurden zwar über ihren Bekanntenkreis noch Updates eingespielt, aber irgendwann war Schluss und die Betreuung der Website verblieb bei meiner Kundin, die mit Technik überhaupt nichts am Hut hat.

Die alte Website ist aus Security-Sicht ein großes Risiko. Veraltete Technik hat Sicherheitslücken die öffentlich bekannt sind und es ist ein leichtes Spiel, diese auszunutzen. Der Provider hat nun dafür zu sorgen, dass alle seine Systeme stabil laufen und vor Hackerangriffen geschützt sind. Da dies ohnehin mit hohen Kosten verbunden ist, werden die Gebühren für diejenigen, die nicht mit dem Stand der Technik mitgehen und für die daher zusätzlich Aufwand benötigt wird, erhöht. Das finde ich nachvollziehbar.

Meiner Kundin habe ich leider erklären müssen, dass es sich nicht rentiert, die alte WordPress-Seite zu „retten“. Es sind zu viele Einzelbereiche, die ineinander verwoben sind und neu aufeinander abgestimmt werden müssten. Also brauchen wir eine andere Idee.

Die Website ist auch noch aus einer Zeit, in der man Layouts mit Photoshop erstellt und diese dann pixelgenau mit HTML & Co. nachgebaut hat. Mittlerweile klappt so etwas technisch gesehen in Sekundenschnelle mit einem Prompt. Doch der große Unterschied ist ein anderer: Vielleicht kannst du dich noch an die Zeit ohne Smartphones erinnern? Da wurden Websites fast ausschließlich am Bildschirm benutzt und die Designs wurden entsprechend dafür gestaltet. Viele Weblayouts wurden sogar noch von Grafikern und nicht von Webdesignern erstellt, wie auch das Grundlayout für die Website meiner Kundin. So hat die Website meiner Kundin einen besonderen Charme, den man heutzutage kaum mehr sieht.

Wir sind übereingekommen, dass wir den Charme unbedingt beibehalten wollen. Erstens hat die Seite eine einzigartige, liebevolle Ausstrahlung, die sich von anderen Seiten deutlich abhebt. Andererseits passt diese Ausstrahlung immer noch optimal zum Angebot meiner Kundin.

Dann haben wir besprochen, wie sie die Website überhaupt nutzt. Sie hat mir erzählt, dass sich ihr Schwerpunkt im Business verändert hat. Die Website ist daher nicht entscheidend, aber sie wird von ihr gerne als Visitenkarte genutzt. Es wäre für sie also hilfreich, wenn sie weiterhin eine Website hätte, damit sie im Internet präsent ist. Laufende Änderungen braucht sie nicht und es wäre toll, wenn die Kosten und der Aufwand für die Wartung gering bleiben würden.

Zusammenfassend haben wir also eine technisch veraltete Website mit WordPress, die aufgrund der alten Technik viel kostet, nicht mehr sinnvoll upgedatet werden kann, keine laufenden Änderungen braucht und ein einzigartiges Design hat. Und wir wollen, dass die neue Seite wenn möglich irgendwie so aussieht wie die bisherige, dabei kostengünstig ist, und jetzt und in Zukunft mit möglichst wenig Wartungsaufwand auskommt.

Nachdem das alles geklärt wurde, war mir schnell klar, was wir machen können. Wir verzichten auf sämtliche Content-Management-Systeme und erstellen die Seite statisch. Das ist in diesem Fall schnell erledigt und die Seite braucht kaum Ressourcen, keine Wartung und sieht genauso aus wie früher. Der einzige kleine Nachteil ist, dass sie nur mehr mit einem Texteditor oä. verändert werden kann, das heißt, man sollte HTML ein bisschen lesen können um sie zu ändern. Aber dafür wäre ich gerne weiterhin da, und es wäre auch schnell erledigt.

Meine Kundin war superhappy mit dem Vorschlag und hat ihn gerne angenommen. Wir haben sofort gestartet und innerhalb von einer Woche hat sie nicht nur den Vertrag mit dem Provider geändert, sondern auch von mir die fertige alte, neue Website erhalten.

Auch in diesem Fall kann ich wieder bestätigen, dass der bedachte Einsatz von wenig und einfacher Technik manchmal die sinnvollere Lösung ist. Es klingt vielleicht nicht so modern, ist aber, wenn man im Detail hinschaut, besonders ressourcenschonend, nachhaltig und kostengünstig. Und das Ergebnis ist genau das, was für meine Kundin die beste Lösung ist.

Alles Liebe und bis bald,

Unterschrift Marion

Über die Autorin

Marion Lindert