Websites zu erstellen war noch nie so einfach
Die Möglichkeiten, eine Website zu erstellen, sind in den letzten Jahren deutlich vielfältiger geworden. Es gibt längst nicht mehr den einen richtigen Weg. Du kannst die Technologie und den Ansatz wählen, die am besten zu deinem Unternehmen, deinem Budget und deinen Anforderungen passen.
Eine Möglichkeit, die aktuell besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, ist die Erstellung von Websites mit KI.
Es klingt verlockend. Ein einziger Prompt und schon hast du eine fix und fertige Website, die professionell ausschaut und (fast) nichts kostet.
Warum KI-generierte Websites oft sofort gut aussehen
KI hat Zugriff auf unzählige Websites. Sie kennt typische Layouts, Farben, Schriften, Strukturen und erstellt aus diesen Mustern etwas, das auf uns sofort vertraut wirkt.
Und genau hier liegt die Falle.
Alles, was uns bekannt vorkommt, können wir schneller einordnen und verarbeiten. Deshalb wirkt eine KI-generierte Website auf den ersten Blick oft professionell, modern und stimmig und wir denken, dass das genial gut aussieht und optimal für uns passt.
Eine Kundin ist mit einem KI-generierten Screenshot zu mir gekommen und wollte, dass ich das Design aus dem Bild übernehme.
Da ich zu Beginn immer genau analysiere, was eine Website wirklich braucht und worauf sie verzichten kann, haben wir schnell gemeinsam festgestellt, dass ein großer Teil dieses Designs überhaupt nicht zu ihr und ihrem Angebot gepasst hat.
Und trotzdem hat es auf den ersten Blick sehr passend gewirkt.
KI liefert nicht nur ein Design, sondern auch einen Rahmen
Das Problem ist, dass KI nicht nur das Design liefert, sondern auch gleich einen Rahmen, in dem du dieses Design wahrnimmst. Diesen Effekt nennt man Framing. Framing bedeutet vereinfacht gesagt: Die Art, wie etwas präsentiert wird, beeinflusst, wie wir es wahrnehmen und bewerten.
Stell dir vor, du siehst eine Website mit einer großen Überschrift, einem professionellen Bild, einer klaren Navigation und perfekt formulierten Texten. Alles wirkt aufgeräumt und modern. Dein erster Eindruck lautet wahrscheinlich: „Das sieht professionell aus.“
Aber warum eigentlich? Weil dein Gehirn nicht jedes einzelne Gestaltungselement völlig neu analysiert. Es greift auf bekannte Muster zurück. Große Überschrift? Kenne ich. Klare Buttons? Kenne ich. Viel Weißraum? Modernes Webdesign. Professionelles Foto? Wirkt hochwertig.
Unser Gehirn liebt solche Muster, weil sie uns helfen, Informationen schnell zu verarbeiten. Und genau deswegen funktioniert Framing so gut.
Die KI präsentiert dir nicht einfach einzelne Gestaltungselemente. Sie kombiniert sie zu einem Gesamtbild, das bereits eine bestimmte Botschaft vermittelt: modern, professionell, hochwertig, vertrauenswürdig.
Unser erster Eindruck beeinflusst alles, was danach kommt
Und bevor du bewusst überprüfst, ob die Website diese Eigenschaften tatsächlich erfüllt, hast du sie möglicherweise schon durch diesen Filter bewertet.
Denn unser erster Eindruck verschwindet nicht einfach wieder. Er beeinflusst, wie wir alles Weitere wahrnehmen. Wenn uns etwas professionell oder unprofessionell erscheint, suchen wir oft nach Gründen, die diesen ersten Eindruck bestätigen.
Du kennst das wahrscheinlich selbst: Du siehst ein Kleid oder eine Uhr und denkst: „Will ich haben.“ Danach findest du schnell die passenden Gründe dafür. Die Farbe ist perfekt, die Form passt zu dir, die Qualität wirkt hochwertig, diese Marke wolltest du schon immer mal haben und plötzlich erscheint dir genau dieses Produkt als die richtige Wahl.
Das Produkt hat sich in diesem Moment nicht verändert. Deine Wahrnehmung hat sich verändert.
KI kann Muster reproduzieren, aber nicht automatisch die richtige Lösung finden
KI wurde mit riesigen Mengen an Daten trainiert und kann daraus typische Muster ableiten. Wenn du sie bittest, eine „moderne, minimalistische Website für deine Unternehmensberatung“ zu erstellen, kennt sie bereits unzählige Beispiele dafür, wie so etwas typischerweise aussieht.
Sie weiß, welche Farben häufig verwendet werden, welche Schriften modern wirken, wie eine typische Hero-Section aufgebaut ist, wo Buttons stehen oder wie eine professionelle Website strukturiert sein kann. Und das Ergebnis kann deshalb sehr überzeugend aussehen.
Aber genau darin liegt die Gefahr: KI kann ein überzeugendes Muster erzeugen, ohne zu wissen, ob dieses Muster für dein konkretes Unternehmen die richtige Lösung ist.
Sie kann dir eine Website geben, die aussieht wie eine professionelle Website. Das ist aber nicht dasselbe wie eine Website, die gut für dich funktioniert.
Wenn etwas gut aussieht, hinterfragen wir es weniger
Und hier schließt sich der Kreis. Das Framing durch die KI macht schlechte Entscheidungen schwerer erkennbar. Wenn die Website von Anfang an wie ein fertiges, professionelles Produkt präsentiert wird, hinterfragst du sie weniger kritisch.
Du siehst nicht mehr die einzelnen Gestaltungselemente, die du prüfen solltest, sondern nur mehr die fertige Website. Du bewertest nicht mehr jedes Element einzeln, sondern das Gesamtbild. Und wenn das Gesamtbild stimmig wirkt, bekommt das KI-generierte Design einen Vertrauensvorschuss.
„Sieht gut aus“, ist für mich daher keine passende Bewertung für eine Website. Eine Website muss für dich verkaufen und nicht einfach gut aussehen.
Die eine Frage, die du dir beim Design deiner Website also immer stellen solltest ist daher:
Was bringt deine Website den Besucher:innen?
Das Ziel einer guten Website ist nicht Beschäftigungstherapie im Sinn: „Wow, hier gibt es unglaublich viel zu entdecken.“
Das Ziel ist, dass nach wenigen Sekunden klar ist, was als Nächstes passieren soll.
Entweder: „Das ist genau das, was ich suche.“ Dann geht es weiter zum Angebot, zur Anfrage, zu bestimmten Inhalten oder zum Kauf. Oder: „Das ist nichts für mich.“ Dann klickt die Person weiter und auch das ist ein gutes Ergebnis.
Weniger Funktionen können mehr Service bedeuten
Dafür braucht es oft gar nicht viel. Eine übersichtliche Startseite, eine klare Darstellung deines Angebots, ein persönlicher Über-mich-Bereich und eine einfache Kontaktmöglichkeit können bereits ausreichen.
Weniger Funktionen bedeuten nicht nur weniger Aufwand bei Erstellung, Wartung und Weiterentwicklung. Sie sparen auch deinen Besucher:innen Zeit. Denn je weniger sie suchen und sich durch verschiedene Elemente klicken müssen, desto schneller finden sie die Informationen, die für ihre Entscheidung wichtig sind.
Eine gute Website muss nicht möglichst viel zeigen. Sie muss die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zeigen.
Was bei meiner Kundin passiert ist
Die Website für meine Kundin haben wir übrigens innerhalb weniger Wochen neu gestaltet. Bis auf ein paar Details sieht sie völlig anders aus. Sie wirkt hochwertiger, ist gleichzeitig einfacher zu verstehen und vor allem passender.
Denn gutes Webdesign bedeutet nicht, Besucher:innen möglichst lange auf der Website zu halten. Es bedeutet, ihnen die richtigen Informationen am richtigen Platz zu geben und ihnen die weitere Entscheidung so einfach wie möglich zu machen. Und genau das sollte deine Website leisten.
