Evolution statt Revolution beim Rebranding: Jeden Tag ein bisschen besser.

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Marion Lindert

Wenn sich Trends über Nacht verändern und Marken um die Aufmerksamkeit der Kund:innen kämpfen, stehen Unternehmen oft vor der Frage: Sollten wir unser Branding komplett überarbeiten oder reicht eine laufende Anpassung des Designs?

Wichtige Gründe können für ein komplettes Rebranding sprechen. Vor allem dann, wenn sich der Unternehmenskern stark verändert, kann ein Rebranding nötig werden. Doch in vielen anderen Fällen ist die sanftere, evolutionäre Vorgehensweise der Designanpassung die bessere Lösung.

Denn unabhängig davon, wie gut durchdacht ein komplettes Rebranding ist, benötigt es enorme Ressourcen und erzeugt oft zunächst Unsicherheit und Unbehagen.

Warum? Wir Menschen lieben Gewohntes.

Ich arbeite mit meinen Kund:innen oft iterativ und denke diese Arbeitsweise gleich von Anfang an mit. Statt alles auf einmal komplett neu zu gestalten, gestalten wir Schritt für Schritt. In diesem Artikel gehe ich auf die Vorteile eines kontinuierlichen Rebrandings im Vergleich zu einem kompletten Rebranding ein.

Budget immer im Blick

Ein vollständiges Rebranding kann Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Je nach Unternehmensgröße können sogar zahlreiche externe Berater:innen, interne Mitarbeiter:innen und neue Strukturen benötigt werden. Als Mitarbeitende sowie als Außenstehende habe ich es schon mehrmals erlebt, dass Zeit, Energie aber auch Mitarbeiter:innen durch hitzige Diskussionen rund ums Rebranding ausgelaugt worden sind.

Anstatt viele Ressourcen wie Zeit, Energie und Geld in ein umfassendes Rebranding zu investieren, ermöglichen kleinere Anpassungen, das Budget zu schonen und gleichzeitig das Erscheinungsbild aktuell zu halten. Manchmal genügen hier ein Detail und da eine kleine Änderung die zeitnah umgesetzt werden können um modern zu wirken. So bleibt das Unternehmen flexibel und kann seine Ressourcen effektiv einsetzen.

Markenkontinuität

Eine Marke ist mehr als nur ein Logo oder ein Slogan, sondern sie ist die emotionale Verbindung, die Kund:innen zu einem Unternehmen haben. Wenn sich das Erscheinungsbild und die Kommunikation schlagartig ändern, stößt das viele Menschen zunächst vor den Kopf. Denn die Marke ist dadurch nicht nur optisch, sondern in der gesamten Wahrnehmung eine andere.

Ich erinnere mich an mehrere Rebrandings, die durch die Medien gegangen sind, weil „mit dem neuen Corporate Design sinnlos Geld verbrannt wird“ oder weil „das neue Logo unverständlich ist“, usw. Genauso kann es Rebrandings von lokalen Unternehmen gehen, die zunächst mit „Das alte Design hat mir viel besser gefallen“ oder „Gebt doch lieber Geld für besseren Service aus“ kommentiert werden. Solche Sprüche gibt es oft zu hören, auch dann, wenn das neue Design fachlich gesehen besser ist als das vorherige, aber es ist halt ungewohnt.

Solche Reaktionen könnten sich natürlich mit proaktiver Kommunikation vermeiden lassen, um die Menschen rechtzeitig mitzunehmen. Aber nur wenige Unternehmen haben die Ressourcen dafür. Durch behutsame Designanpassungen bleibt die bestehende Bindung zwischen Unternehmen und Menschen erhalten und die Markenidentität wird nicht nur bewahrt, sondern stetig gestärkt.

Kontinuierliches Rebranding ermöglicht außerdem schnelle Reaktionen auf Markttrends und Kundenwünsche, um stets am Puls der Zeit zu bleiben.

Vertrautes schätzen lernen

Kontinuierliche kleine Änderungen sind wir von unserem Lebensalltag und sogar von der Evolution her gewohnt. Diese können wir besser und oft sogar unbemerkt aufnehmen.

Wir kennen das von unserem eigenen Alterungsprozess sehr gut. Hier ein graues Haar, dort ein paar Kilo mehr, da ein paar Fältchen mehr. Die Änderungen fallen uns zwar auf, aber erschrecken uns meist nur begrenzt. Wenn du aber ein Foto von dir ansiehst, auf dem du fünf oder zehn Jahre jünger bist, denkst du dir womöglich: Wow, da habe ich aber noch ganz anders ausgesehen.

Auch für Kund:innen ist es oft das Vertraute, das den Ausschlag gibt. Radikale Neuerungen können Kund:innen verunsichern oder sogar abschrecken.

Die laufende Anpassung des Designs baut auf der bestehenden Kundenbeziehung auf und vertieft diese durch konsistente Weiterentwicklung.

Kontinuierliche Verbesserungen statt grobe Fehltritte

Große Veränderungen bergen manchmal große Risiken. Das ist nicht per se schlecht, es sollte jedoch hinterfragt werden, ob man diese Risiken auch bewusst in Kauf nehmen will. Eine plötzliche Umstellung kann zum Beispiel zu Verwirrungen oder Ablehnung führen. Eine allmähliche Anpassung hingegen lässt sich nahtlos in bestehende Abläufe integrieren und sorgt für einen reibungslosen Übergang für alle Geschäftspartner:innen.

Ein schrittweises Vorgehen erlaubt es auch, die Änderungen zu testen und auf Basis von Feedback gezielte Anpassungen vorzunehmen. Das ist meiner Meinung nach ein Vorteil, den man nie unterschätzen sollte. Auch wenn Analyse, Strategie und Konzept noch so gut sind, bestimmt immer noch der Alltag, ob das Neue überzeugt.

Ein Kunde kam zu mir, weil er seine Website ändern und dabei gleich auch sein Branding erneuern wollte. Er meine, dass das was er jetzt hat, nicht mehr zu ihm passt, aber irgendwie gefällt es ihm trotzdem noch. Vor allem der Farbton sollte sich ändern und beim Logo war er sich nicht sicher. Wir haben seine Ziele und Ideen ausführlich besprochen und vereinbart, dass wir iterativ vorgehen und einiges anhand von einfachen Prototypen ausprobieren. Dieses schrittweise Vorgehen war übrigens einer der Hauptgründe, warum er wieder zu mir gekommen ist.

Besonders unsicher war er bei der Farbgestaltung. Die Ideen die er hatte, haben sich nach ersten Tests als nicht zielführend herausgestellt. Ohne ein schrittweises Vorgehen hätte er hier viel Geld verbrannt. Ich habe ihm gezeigt, wie man die bisherige Farbe weiterhin nutzen kann, in dem man das Branding um weitere Nuancen erweitert und flexibel aufbaut. So hat er nun ein Design, das wesentlich moderner und klarer geworden ist, im Kern jedoch immer noch auf dem bisherigen Logo und der Farbgebung basiert.

Durch die iterative Gestaltung ist er sich nun sicher, dass seine ursprünglichen Ideen nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben und er hat nun ein Design, in dem er sein Angebot und seine Werte erneut wiederfindet. Gleichzeitig hat er eine Menge Zeit und Geld gespart, weil wir die Tests mit wenig Aufwand erstellt haben und so schnell entscheiden konnten, in welche Richtung es weitergehen soll.

Fazit

Die laufende Anpassung eines Designs ist viel mehr als nur eine behutsame Veränderung des visuellen Erscheinungsbildes einer Marke. Sie ist für mich eine Philosophie, die beständige Entwicklung und nachhaltigen Erfolg ermöglicht.

Durch die kontinuierliche Evolution des Designs können Unternehmen agil bleiben, ihre Kundenbindung stärken und die laufenden Änderungen in unserer schnelllebigen Welt als Gelegenheit für Verbesserungen und Innovationen nutzen.

Wie siehst du das? Welche Erfahrungen hast du mit Rebranding gemacht, oder planst du vielleicht sogar, diesen Prozess zu starten? Schreib mir gerne.

Alles Liebe und bis bald,

Unterschrift Marion

Über die Autorin

Marion Lindert

2 Kommentare zu „Evolution statt Revolution beim Rebranding: Jeden Tag ein bisschen besser.“

  1. Das mit dem „jeden Tag ein bisschen besser“ kenne ich so gut aus meiner Arbeit! Die meisten Selbständigen denken, sie müssen ihr ganzes Business komplett umkrempeln, aber oft reichen kleine, bewusste Schritte. Was mir an deinem Artikel besonders gefallen hat: dass wir Menschen Gewohntes lieben – das gilt auch für Geschäftsentscheidungen. Kleine Veränderungen fallen leichter und halten länger.

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    • Vielen Dank, das freut mich sehr! Genau, das ist auch meine Erfahrung. Kleine, fokussierte Schritte fallen leichter und wirken oft am nachhaltigsten.

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